Bericht des Aufsichtsrats Georg Scheller-Dinescu

Nach meiner Ankunft in Costa Rica folgten zunächst Besuche zu den Kooperationspartnern in San Jose: CeNat/Cenibiot (Centro Nacional de alta Technologia= Nationales Zentrum für Hochtechnologie) und Universität von Costa Rica bei denen wir Gespräche mit den Leuten vor Ort führten.
Bei CeNat ist PuroVerde Mieter der Räumlichkeiten und Apparate – im Labor dort erfolgt die biotechnologische Ingwervermehrung.
Biotechnologie ist auch ein Schwerpunkt von CeNat. Tatsächlich verfolgt CeNat noch viele andere Projekte: Geokartierung, usw., und der Schwerpunkt Biotechnik liegt daher etwas brach. In einem Gespräch mit dem Leiter des Institutes, Herr Montoya, wurde klar, dass PuroVerde einer der wenigen Partner ist, die sich tatsächlich mit biotechnologischen Aufgaben befassen, und dass das Institut sehr froh darüber ist, mit PV zusammenzuarbeiten. Ferner haben sie großes Interesse an einer Ausweitung der Zusammenarbeit, z.B. über neue Pflanz-Produkte. Anschließend wurde das Labor besucht und seitens der Leiter dort die einzelnen Schritte zur biotechnologischen Vermehrung erläutert, sowie die aktuelle Kapazität – Produktion von 3200 Pflanzen/Woche – und Möglichkeiten des Hochfahrens der Produktion, für die allerdings zusätzliche Mitarbeiter erforderlich wären, erklärt.
An der UCR (Universidad de Costa Rica) erfolgte dann ein Treffen mit dem Dekan, habe seinen Namen leider vergessen/nicht notiert, und dem Leiter des Biotechnologielabors, Herrn Angulo. Die Universität hatte PV auch bei den Problemen mit dem verzögerten Wachstum im Schattenhaus und beim „Auswildern“ der Pflanzen beraten und mit seinen Ideen zur richtigen Lösung beigetragen, senden Studenten für Praktikas zu PV (Artikel: Studenten forschen für Permakultur), und würden gerne die Zusammenarbeit weiter intensivieren. Sie haben ein großes Knowhow aufgebaut hinsichtlich anderer Kulturpflanzen – z.B. Pataten= Süßkartoffeln, aber auch Pfeffer, Zitronengras, Kardamom, Kurkuma usw. –, da könnte man auf deren Wissensschatz zurückgreifen. Auch andere Möglichkeiten der Zusammenarbeit – genannt wurden dort z.B. die Bodenbegutachtung, sowohl hinsichtlich Qualität als auch Mikroorganismen, Optimierung von Permakulturverfahren, Viehzucht, usw. Eindeutig war das Interesse an der Vertiefung der Zusammenarbeit, natürlich nicht uneigennützig, sie freuen sich darüber, Studenten vernünftige Praktika zu ermöglichen und schielen vielleicht auch auf den ein oder anderen Doktortitel, das kann uns nur recht sein….

Weiter ging es ins Hauptquartier nach Muelle, dort Vorstellung der Mitarbeiter und deren Aufgaben, dann „Feldarbeit“: Besuch des experimentellen Feldes bei Muelle, der Wurmkosportieranlage und des Lagers für die anderen Bodenverbesserungsmaßnahmen, insbesondere unterschiedliche Leguminosen, alles nebst Erläuterungen; eines Sortier-, Reinigungs- und Verpackungbetriebes für Agrarprodukte, insbesondere Wurzelgemüse, mit dem wir ggfs. zusammenarbeiten wollen/können. Ferner Besuch eines Kleinbauerns, welcher Pfeffer anbaut, zwecks Erfahrungsaustauschs, auch hinsichtlich der möglichen Probleme beim Anpflanzen, Aufzucht und Ernte. Dieser könnte uns auch in Zukunft beraten, falls wir uns zum Pfefferanbau entscheiden sollten.
Es folgten Besuche der Fincas San Ramon und Rio Cuarto, einschließlich sintflutartiger Regenfälle mit Anschwellen der Flüsse und Unpassierbarkeit der Brücken in San Ramon, als kleines Dschungelabenteuer….
Dabei wurden mögliche Flächen für die Ingweranpflanzung in San Ramon sowie die dortige Ernteinfrastruktur besichtigt und die Anlage in Rio Cuarto, einschließlich Gewächs- und Schattenhaus, Ernteinfrastruktur und v.a. die schon vorhandenen Ingweranpflanzungen, sowie die sich in Vorbereitung für die Anpflanzung befindlichen Flächen.
Schließlich wieder in Muelle, Vorstellung der Arbeit mit dem Gitlab (open source Programm das zum Porjektmanagment genutzt wird) und dem ERP- Programm, dabei insbesondere Erläuterung der Erstellung eines Managementplanes, das Herunterbrechen auf einzelne Schritte, die Möglichkeiten zur Kontrolle und Anpassung. Ferner, last but not least, Vorstellung des Ethikkodes, welcher noch nicht ganz abgeschlossen ist.
Während der ganzen Zeit, bei Besichtigungen, während der Fahrten, während der Pausen, und auch nach „Feierabend“ fanden dabei intensive Gespräche mit Stefan, aber auch mit seinen Mitarbeitern, insbesondere Roberto und Marco, aber auch Allan, David und auch anderen statt. Dabei stand immer die Weiterentwicklung, Optimierung sowohl der Verfahren betreffend Ingwer, als auch allgemein, der Struktur und Kommunikation innerhalb Puro Verde in D und CR statt. Dabei stand auch im Fokus: die bessere Vernetzung untereinander und die Weiterentwicklung weiterer Produkte zur Erhöhung der Stabilität und Minderung der Abhängigkeit von einem Produkt.

Fazit:
Mit bangem Gefühl und vielen Befürchtungen bin ich in Costa Rica angekommen. Mein Besuch hat für mich folgende Ergebnisse erbracht:

Positives:
Es stellte sich heraus, dass wir, was das Verfahren zur Anpflanzung, Produktion, Ernte und Weiterverarbeitung von Ingwer angeht, nun gut aufgestellt sind. Die Probleme sind (Stand heute) alle im Griff, das Labor, die Aufzucht, Schattenhaus usw. sowie die Logistik sind funktions- und leistungsfähig, das Ralstoniaproblem ist nun beherrscht. Die Flächen für das Hochfahren der Produktion stehen bereit, die Arbeiten für die Bodenvorbereitung und Verbesserung laufen und sind z.T. schon abgeschlossen. Die erste Ernte steht an, es ist zu entscheiden, was damit erfolgen soll: Verkauf oder Wiedereinpflanzung.
Durch Einführung von Gitlab und ERP-Programm sind wir nun in der Lage, die mit Ingwer gemachten Erfahrungen auf das Hochfahren der Produktion zu skalieren, unterschiedliche Parameter zu berechnen und Szenarien durchzuspielen, sowie dies auch analog auf andere Produkte anzuwenden. Problemlösungsorientiert sind wir sehr gut aufgestellt und ausbaufähig.
Das Team vor Ort ist hoch motiviert, engagiert und leistungsbereit und hat viele interessante Ideen.
Seitens der wissenschaftlichen Institute dort erfahren wir hohe Wertschätzung und sie haben starkes Interesse daran, die Zusammenarbeit zu vertiefen und intensivieren.
Da offensichtlich wenig (bis keine?) alternativen Projekte ähnlicher Qualität und Anspruches derzeit in CR laufen, ist die Bereitschaft seitens der Institute sehr groß, hinsichtlich weiterer Produkte, der Perfektionierung des Anbaus und allgemein hinsichtlich der Optimierung der Verfahren zur Permakultur mit uns zusammenzuarbeiten. Sehe es als große Chance für PV an, von deren Wissen und Strukturen zu profitieren, mit unmittelbaren positiven Effekten für unser Vorhaben.

Verbesserungswürdiges:
Kommunikation D– CR muß verbessert/optimiert werden.
Es gilt eine Ebene/ ein Verfahren aufzubauen, um Ideen und Vorschläge aus Costa Rica besser/leichter einbringen zu können um diese besser in unsere Diskussionen und Entscheidungen zu berücksichtigen – auch und gerade für Investitions-Entscheidungen.

Negatives:
Hierzu fällt mir nichts ein

Köln, 29.11.2018 Georg Scheller-Dinescu

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